Jens Marquardt und Michael Andretti im Doppel-Interview – „Wir ergänzen uns sehr gut.“

By   /  December 29, 2017  /  Comments Off on Jens Marquardt und Michael Andretti im Doppel-Interview – „Wir ergänzen uns sehr gut.“

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MIL OSI – Source: BMW Group –

Headline: Jens Marquardt und Michael Andretti im Doppel-Interview – „Wir ergänzen uns sehr gut.“

München. Die Weichen für den werksseitigen Einstieg von BMW
als offizieller Hersteller in der FIA Formula E Championship zur
Saison 5 sind gestellt. Im Interview sprechen BMW Motorsport
Direktor Jens Marquardt und MS&AD Andretti Formula E CEO Michael
Andretti über die enge Partnerschaft und ihre Erwartungen an die
Zukunft der Formel E. Zudem tauschen sie sich im Rahmen einer
lockeren Fragerunde auch über persönliche Interessen abseits des
Rennsports aus.
 Herr Marquardt, Herr Andretti, Saison 4 der Formel E hat
begonnen. Wie lauten Ihre Ziele mit dem MS&AD Andretti Formula E Team?
Michael Andretti: „Natürlich ist unser Ziel, besser
abzuschneiden als in der Vergangenheit. Das vergangene Jahr war nicht
das Beste für uns. Ich hoffe, wir können uns steigern. Ein
realistisches Ziel wären Plätze in den Top-5, da können wir hinkommen.
Vielleicht springt auch hin und wieder ein Podium dabei heraus.“ Und aus BMW Sicht?
Jens Marquardt: „Wir tauchen in diesem Jahr auf jeden Fall noch
tiefer in die Formel E ein und bringen uns noch stärker ins MS&AD
Andretti Formula E Team ein. Wir haben in dieser Saison drei
Mitarbeiter in Vollzeit beim Team und unterstützen, wie und wo wir es
am besten können, um zusammen mit den Fahrern das Maximum aus dem
Paket herauszuholen. Natürlich nutzen wir auch unsere Ressourcen zu
Hause in München. Zugleich sammeln wir bei BMW Motorsport und BMW i
natürlich auch Informationen, die uns helfen, den Antriebsstrang für
Saison 5 zu entwickeln. Das Programm läuft parallel.“Michael, Sie sind vom ersten Tag an in der Formel E aktiv. Wie
hat sich die Serie seitdem entwickelt?
Andretti: „Es ist fantastisch zu beobachten, wie der Traum von
Formel-E-Gründer Alejandro Agag Realität geworden ist. Seine Vision
war, Unternehmen wie BMW in der Formel E die Bühne zu bieten, um auf
der Rennstrecke gegen andere Hersteller antreten zu können. Das hat er
erreicht. Für uns ist es eine große Ehre, vom ersten Tag an dabei zu
sein. Wir sind ein Teil der Zukunft des Rennsports.“ Jens, haben Sie auch daran geglaubt, dass sich die Serie so
gut entwickeln wird?
Marquardt: „Ja, das habe ich. Und es war auch wichtig, dass BMW
von Beginn an als Official Vehicle Partner der Serie dabei war.
Natürlich waren da ein paar Dinge, über die wir mit Alejandro und
seinen Leuten diskutiert haben. Unsere Beteiligung hing auch davon ab,
ob einige Veränderungen in der Formel E umgesetzt werden. Der
Fahrplan, den Alejandro dafür vorgelegt hat, ist mit allen technischen
Schritten komplett eingetreten. Das hat uns die Entscheidung leichter
gemacht, als Hersteller auch auf der Rennstrecke dabei zu sein. Wir
haben dann mit Michaels Mannschaft ein Team gefunden, das auf einem
Top-Level im Rennsport arbeitet und viel Formel-E-Erfahrung mitbringt.
Für uns war das wirklich ein ideales Szenario. Diese Partnerschaft
jetzt auf das nächste Level zu bringen, zusammen in Saison 4 aktiv zu
sein und zugleich schon auf Saison 5 zu schauen, das ist für uns alle
sehr spannend.“ Sie haben beide den Motorsport schon aus eigener Erfahrung in
vielen verschiedenen Rennkategorien erlebt. Was ist für Sie so
faszinierend an dem Projekt Formel E?
Andretti: „Für mich persönlich sind das an erster Stelle die
Austragungsorte. Wenn man an Plätze wie New York, Paris, London oder
Hongkong kommt, wo andere Rennserien Jahrzehnte lang versucht haben zu
fahren, dann beeindruckt mich das wirklich. Es ist sensationell, was
Alejandro und sein Team da geschafft haben.“ Marquardt:
„Bei mir ist es mehr der technologische Aspekt. Wir haben in der
Vergangenheit oft darüber gesprochen, Dinge vom Rennsport in die
Serienproduktion zu bringen. Das traf noch nie so sehr zu wie auf die
Formel E. Hier haben wir ein wirkliches Entwicklungslabor für unsere
Serien-Technologie. Alles, was wir hier machen, ist modernster Stand
der Technik. Wir haben genau die Ingenieure, die den BMW i3 und den
elektrischen Antriebsstrang des BMW i8 entwickelt haben. Wir haben
ihnen gesagt: Legt alle Überlegungen ab, die ihr normalerweise in der
Entwicklung habt, und denkt einmal nur an die Performance, die höchste
Effizienz, das geringste Gewicht, das beste Gesamtpaket. Wenn wir
diesen Punkt dann erreicht haben, dann machen wir uns Gedanken, wie
wir genau das in die Serienproduktion integrieren können, zum Beispiel
für die BMW iNext und alle BMW i Modelle der nächsten Generationen.
Für uns ist das die perfekte Umsetzung unseres Credos: von der
Rennstrecke ins Straßenauto.“ Bevor Ihre Partnerschaft begonnen hat, was wussten und dachten
Sie von Ihren künftigen Partnern? Michael, was wussten Sie über BMW Motorsport? 
Andretti: „Ich habe immer verfolgt, was BMW Motorsport gemacht
hat und was sie alles gewonnen haben. Unser Team hat mit MS&AD
Insurance in der Formel E bereits einen sehr starken Partner, mit dem
wir ausgezeichnet zusammenarbeiten. Dass sich nun auch unsere
Kooperation mit BMW immer weiter intensiviert, ist für unser Team eine
großartige Situation.“ Jens, Sie haben viele Jahre in den USA gearbeitet. Hatte der
Name Andretti damals schon eine besondere Bedeutung für Sie?
Marquardt: „Das hatte er wirklich. Aber das geht schon weiter
zurück. Ich glaube, Michael kennt diese Geschichte noch gar nicht. Als
Zehnjähriger bin ich immer mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule
Rennen gegen meinen Bruder gefahren. Er war zu der Zeit immer Jackie
Stewart, ich war Mario Andretti – weil Michaels Vater diesen
wunderschönen schwarz-goldenen John Player Special Lotus gefahren ist.
Ein paar Fahrrad-Rennen zur Schule habe ich als Mario Andretti dann
auch gewonnen. In den späten 1990ern kam ich dann nach Amerika und
hatte mit den IndyCars zu tun, und da war Michael ein Held. Er gewann
viele Rennen, auch viele gegen das Team, für das ich gearbeitet habe.
Dieser Familienname und Michael selbst mit allem, was er erreicht hat,
so etwas findet man im Motorsport nicht oft auf der Welt.“ Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Amerikanern? 
Andretti: „Ich denke, das passt gut. Es stimmt, die Kulturen
sind ein bisschen unterschiedlich, aber am Ende sind wir alle Racer.
Nur darum geht es. Da sprechen wir die gleiche Sprache. Wir sehen seit
Jahren mit unserem japanischen Partner MS&AD, wie gut sich
unterschiedliche Kulturen im Rennsport ergänzen.“Marquardt: „Ich glaube, wir ergänzen uns sehr gut.
Was Michael und sein Team mit dem amerikanischen Ansatz einbringen,
funktioniert zusammen mit dem manchmal vielleicht etwas
technokratischen deutschen Ansatz ziemlich gut. Denn man braucht
beides, um Erfolg zu haben. Es stimmt, die Kulturen sind ein bisschen
unterschiedlich, aber am Ende sind wir alle durch unsere Leidenschaft
für den Rennsport verbunden.“ Wie sieht der Fahrplan für Saison 5 aus? Gibt es Unterschiede
zwischen den Planungen von BMW und dem Team? 
Andretti: „Das spielt bereits alles zusammen. Im Moment arbeiten
wir alle schon sehr hart am Antrieb für Saison 5. Gleichzeitig
arbeiten wir hart dafür, mit den MS&AD Andretti Autos in dieser
Saison so erfolgreich wie möglich zu sein. Der Fahrplan ist auf beiden
Seiten der gleiche.“ Marquardt: „Es ist schon eine
Herausforderung, und ich glaube, dass es im Moment für Michael und
sein Team ein bisschen schwieriger ist als für uns bei BMW. Denn die
Mannschaft muss natürlich den vollen Fokus auf Saison 4 und die Rennen
legen, dazu aber noch parallel das erste neue Auto testen, sobald es
fertig ist. Die Entwicklung des Antriebsstrangs läuft momentan zwar
hauptsächlich in München, aber im kommenden Jahr werden wir auch auf
der Test- und Entwicklungsseite noch enger zusammenarbeiten. Ziel ist
es, vom Start von Saison 5 an die maximale Performance und Effizienz
zu haben.“ Das nächste Rennen findet in Marrakesch statt. Ist es etwas
Besonderes, in Afrika zu fahren? Freuen Sie sich schon darauf?
Andretti: „Ich liebe es, dass die Serie auf so vielen
verschiedenen Kontinenten fährt. Es ist cool, von Hongkong nach
Marrakesch zu gehen, danach dann weiter nach Südamerika. Und wir gehen
ja nicht irgendwo hin, sondern direkt ins Herz dieser Länder, ins
Zentrum der großen Metropolen. Das macht die Formel E so
einzigartig.“ Marquardt: „Das Gastspiel in Afrika zeigt,
dass die Formel E eine komplett globale Rennserie ist. Im gleichen
Atemzug heißt das auch, dass Elektromobilität ein weltweites Thema
ist. Die großen Städte auf dieser Welt, ganz egal auf welchem
Kontinent, werden schon in naher Zukunft elektrifiziert sein. Deshalb
ist BMW als Vorreiter und Global Player mit dabei. Wir freuen uns
darauf, im Januar in Marrakesch anzutreten und danach auch in
Südamerika, Nordamerika und Europa.“

Das Sprint-Interview: Kurze Fragen – kurze Antworten.
 Welches ist die größte Herausforderung bei der Führung eines Rennteams?
Andretti: „Die richtigen Leute an den richtigen Positionen zu
haben.“Marquardt: „Und sie dann wirklich motiviert, scharfsinnig
und mit viel Herzblut bei der Sache zu halten – in guten Zeiten
genauso wie in schwierigen Zeiten.“ Welchen Beruf würden Sie ausüben, wenn Sie nicht im Motorsport wären?
Andretti: „Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Ich weiß wirklich nicht,
was ich tun würde. Ich bin sehr glücklich, das machen zu dürfen, was
ich liebe.“Marquardt: „Ich wäre wahrscheinlich Lehrer.“ Welches ist Ihre Lieblingsrennstrecke?
Andretti: „Spa ist meine Lieblingsstrecke.“Marquardt: „Da
stimme ich zu. Das ist eine Männer-Strecke. Michael kennt sie als
Rennfahrer, ich als Ingenieur. Es ist eine Naturstrecke und eine echte
Herausforderung für jeden Fahrer.“ Welches ist Ihr bislang größter Erfolg?
Andretti: „Als ich aus der Formel 1 zurückkam und dann gleich
das erste IndyCar-Rennen in Australien gewonnen habe. Das war ein
großer Moment für mich.“Marquardt: „Natürlich 2012, als wir mit
BMW in die DTM zurückgekehrt sind und gleich im ersten Jahr alle drei
Meisterschaften gewonnen haben.“ Welches ist Ihr Lieblings-Auto bzw. -Rennauto?
Andretti: „Bei Rennautos würde ich sagen der Lotus 79, mit dem
mein Vater Formel-1-Weltmeister geworden ist. Dieses Auto war einfach
wunderschön.“Marquardt: „Ich würde da lieber zu den Straßenautos
gehen: der BMW 507.“ Wer ist der beste Rennfahrer, den Sie kennen?
Andretti: „Mein Vater Mario war immer mein Held. Niemand hat
erreicht, was er erreicht hat: in jeder Kategorie zu gewinnen, in der
er gefahren ist. Ich glaube, dass das nicht noch einmal wiederholbar
ist.“Marquardt: „Für mich ist es Jackie Stewart. Ich habe ihn
auch einige Male persönlich getroffen und war sehr beeindruckt, wie
zurückhaltend er war.“Welches ist Ihr Lieblings-Flughafen?
Andretti: „Indianapolis.“Marquardt: „München. Denn damit
verbinde ich Heimat.“ Was ist das Wichtigste im Leben?
Marquardt: „Zwei Dinge: Gesundheit und
Zufriedenheit.“Andretti: „Das sehe ich auch so.“ V8 oder BMW eDrive?
Marquardt: „Ganz einfach: in der Gegenwart V8, in der Zukunft
eDrive.“Andretti: „Sehr clevere Antwort.“ Steak oder Fisch?
Marquardt und Andretti (gleichzeitig): „Steak!“ Anzug oder Hoodie?
Andretti: „Hoodie.“Marquardt: „Politisch korrekte Antwort:
Anzug. Privat: Hoodie.“ Reisen mit Flugzeug oder Auto?
Andretti: „Das ist einfach: Flugzeug.“Marquardt: „Das
hängt von der Entfernung ab. Innerhalb Deutschlands und auch im
benachbarten Ausland bevorzuge ich natürlich einen BMW. Für lange
Strecken ist dann das Flugzeug gesetzt.“ Champagner oder Bier?
Andretti: „Hängt von der Situation ab.“Marquardt:
„Mineralwasser, wenn ich fahre.“Andretti: „Noch eine clevere
Antwort …“Marquardt: „Bier an normalen Tagen, Champagner, wenn
ich mit Michael zusammen Siege feiere.“ Topspeed oder Balance?
Andretti: „Balance.“Marquardt: „Topspeed.“ Le Mans oder Nordschleife?
Andretti: „Le Mans.“Marquardt: „Nordschleife. Nicht einmal
Le Mans kann da mithalten.“ Treppe oder Fahrstuhl?
Andretti: „Treppe.“Marquardt: „Treppe.“ Schnellste Rennrunde oder Poleposition?
Andretti: „Poleposition.“Marquardt: „Poleposition.“ Blockbuster oder Theater?
Andretti: „Theater.“Marquardt: „Theater.“ Metallica oder Madonna?
Andretti und Marquardt (gleichzeitig und lachend): „Metallica!“ Baseball oder Fußball?
Marquardt: „Fußball, ganz klar.“Andretti: „Oh Gott, ich
denke, Fußball.“ Tauchen oder Wandern?
Marquardt: „Definitiv Wandern. Ich mag Tauchen
nicht.“Andretti: „Auch Wandern.“

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