Gestern noch da, heute weg

By   /  December 30, 2017  /  Comments Off on Gestern noch da, heute weg

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

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Der dramatische Schwund von „Allerweltsarten“ in der Agrarlandschaft

Viele Tier- und Pflanzenarten tragen ihren Lebensraum im Namen. Feldhase, Acker-Rittersporn und Wiesen-Schaumkraut sind nur einige Beispiele dafür. Was sagt es uns über diese Lebensräume, wenn die Arten darin nach und nach verschwinden?

Acker-Hahnenfuß – Foto: Helge May

Nutzungsintensivierung, der Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und verarmte Fruchtfolgen haben in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven Verlust von Artenvielfalt und Lebensräumen in der Agrarlandschaft geführt. Auf dieser Seite haben wir einige Tier- und Pflanzenarten zusammengetragen, die ihren Lebensraum im Namen tragen und noch zu Zeiten unserer Eltern weit verbreitet waren. Heute sind sie nur noch selten anzutreffen und in ganzen Landstrichen überhaupt nicht mehr:

Acker-Rittersporn

Acker-Rittersporn – Foto: Barbara Rüdenauer/www.naturgucker.de

Der Acker-Rittersporn war früher häufig an den Rändern bewirtschafteter Felder anzutreffen. Durch den Einsatz von Herbiziden und die intensive Ausnutzung zur Verfügung stehender Flächen ist diese Pflanze in der Agrarlandschaft jedoch kaum noch präsent. Das bewusste Anlegen von Blühstreifen könnte dem Acker-Rittersporn auch in der heutigen Landwirtschaft noch einen Lebensraum bieten.

Brachwiesen-Zwergspanner

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Brachwiesen-Zwergspanner – Foto: Didier Descouens (CC-BY-SA-4.0)

Diese eher unscheinbare, in weißlich-grau eingefärbte und blassen Mustern gut getarnte Zwergspanner-Art gehört zu den Nachtfaltern und fliegt üblicherweise im Juni. Doch die Standorte, wo sie sich besonders wohl fühlt – wie Brachen, Feldränder und Ackerpfade – sind im Zuge der Flurbereinigung in der Landwirtschaft stark zurückgegangen. Das ist ein Grund dafür, weshalb dieser Zwergspanner mittlerweile vom Aussterben bedroht ist.

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling – Foto: Gerhard Schmitt/www.naturgucker.de

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist auf den Großen Wiesenknopf angewiesen. Die Weibchen legen ihre Eier an die noch geschlossenen Blütenköpfe, die Raupen fressen diese später von innen auf. Nach einiger Zeit lassen sie sich fallen und von angelockten Ameisen in deren Bau tragen, wo sie überwintern und sich bis zur Verpuppung im Frühjahr von Eiern und Larven der Ameisen ernähren. Der Wiesenknopf gedeiht am besten auf schonend bewirtschafteten, feuchten Wiesen, spät gemäht oder mit wenigen Tieren beweidet. Überall, wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird, ist der Wiesenknopf-Ameisenbläuling daher nicht mehr anzutreffen. Zum Artenporträt

Feldhamster

Feldhamster – Foto: Ina Ebert

Einst weit verbreitet findet der Feldhamster auf den Feldern der industriellen Landwirtschaft heute kaum noch einen Halm und kann Herbst nicht genug Futter für den Winter „hamstern“ – viele Tiere verhungern. Auch Stoppelfelder werden ihm zum Verhängnis, denn auf dem freien Acker fehlt ihm die Deckung und er ist Feinden schutzlos ausgeliefert. Immer tieferes Pflügen zerstört seine unterirdischen Verstecke. Der Feldhamster ist vom einstigen typischen Bewohner der Agrarlandschaft zur gefährdeten Art geworden, es gibt wohl nicht einmal mehr 100.000 Tiere in ganz Deutschland.

Feldhase

Feldhase – Foto: Christoph Bosch

Der Bestand des Feldhasen geht in Europa seit Jahrzehnten zurück. In einer immer stärker genutzten Agrarlandschaft findet er kaum noch Rückzugsorte als Verstecke vor Fressfeinden und für die Aufzucht seiner Jungen. Auch sein Speiseplan wird immer kleiner. Beim Anbau von intensiven Monokulturen wie Mais oder Weizen ist kein „Unkraut“ erwünscht und wird mit Hilfe von Pestiziden bekämpft. Findet er auf so einem Feld trotzdem etwas, droht ihm eine Vergiftung. In Deutschland geht es dem früher so verbreiteten Feldhasen besonders schlecht. Er steht als gefährdete Art auf der bundesweiten Roten Liste. Zum Artenporträt

Feldlerche

Feldlerche – Foto: Axel Aßmann/www.naturgucker.de

In vielen Regionen Deutschlands kann man inzwischen den fröhlichen Frühlingsgesang der Feldlerche beim Spaziergang über die Felder kaum mehr hören. Generell sind Feldvögel wie Kiebitz, Rebhuhn und die Feldlerche in Agrarlandschaften bundesweit deutlich seltener anzutreffen als noch vor wenigen Jahren. Nachweislich ging der Bestand der Feldlerchen zwischen 1990 und 2013 um 35 Prozent zurück. Die Feldlerche leidet besonders unter dem Lebensraumverlust durch die Intensivierung der Landwirtschaft, zum Beispiel durch Monokulturen. Zum Artenporträt der Feldlerche

Wiesenkeule (Pilz)

Wiesenkeule – Foto: Günther und Monika Kainz/www.naturgucker.de

Zum bevorzugten Lebensraum der Wiesenkeulen-Pilze zählt nährstoffarmes Grünland. Die korallenförmigen, teils leuchtend gelb gefärbten Pilze ernähren sich von toter, sich zersetzender organischer Substanz. Wie alle Pilze sind sie damit von großer Bedeutung für den Stoffkreislauf im Ökosystem. Da ungedüngte Weiden, Magerwiesen oder Heiden immer seltener werden, sind bereits viele der in Deutschland etwa 20 vorkommenden Wiesenkeulen-Arten gefährdet.

Wiesen-Schaumkraut (Pflanze)

Wiesenschaumkraut – Foto: Barbara Rüdenauer/www.naturgucker.de

Das Wiesenschaumkraut ist auf nährstoffreichen Feuchtwiesen anzutreffen, die in Mitteleuropa infolge der intensiven Landwirtschaft leider kaum noch zu finden sind. Die Pflanze bietet mit ihren nektarreichen Blüten vielen Insekten wie Schwebfliegen, Schmetterlingen und Wildbienen eine Nahrungsgrundlage. Zum Artenporträt Wiesenschaumkraut

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