Im weißen Gewand

By   /  January 3, 2018  /  Comments Off on Im weißen Gewand

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Im weißen Gewand

Immer mehr Silberreiher besuchen Deutschland

Selbst an nebelverhangenen Gewässern fallen Silberreiher dank ihres weißen Gefieders schon von Weitem auf. Als leuchtende Tupfer schreiten sie langsam durchs flache Wasser oder verharren mit steif vorgestrecktem Hals, ehe sie flink nach ihrer Beute stoßen.

Silbereiher – Foto: Frank Derer

Silbereiher – Foto: Frank Derer

Silberreiher – Foto: Frank Derer

Silberreiher und Graugänse am Gülper See – Foto: Sebastian Hennigs

Selbst in der dunklen Jahreszeit kann man sie aufgrund ihres auffällig weißen Gefieders auf nebelverhangenen Gewässern entdecken. Als leuchtende Tupfer schreiten sie langsam durchs flache Wasser oder verharren mit fast waagerecht gehaltenem Körper und steif vorgestrecktem Hals, ehe sie blitzschnell nach ihrer Beute stoßen – die Silberreiher.Die eleganten Vögel wirken mitunter so exotisch als seien sie aus einem Zoo ausgebüxt. Etwa so groß wie Graureiher, sind sie jedoch schlanker, haben einen besonders langen Hals und erscheinen dadurch noch graziler als ihre grauen Kollegen. Auch im Flug ist der weiße Vogel durch seine langsamen Flügelschläge und den zusammengelegten Hals unverkennbar, wobei die Tiere den Kopf zwischen die Schultern legen.

Große Rastgemeinschaften

Noch vor wenigen Jahren war ein hierzulande gesichteter Silberreiher eine Sensation. Als wahres Silberreiher-Eldorado galt der Neusiedler See im österreichischen Burgenland. Vogelbeobachter und Fotografen aus ganz Mitteleuropa zog es an den flachen Steppensee nahe der ungarischen Grenze, um Silberreihern und vielen anderen östlichen Vogelarten nahe zu sein.Heute aber lassen sich Silberreiher auch in Deutschland an zahlreichen Orten beobachten, immer häufiger kommt es zu großen Rastgemeinschaften von annähernd hundert Tieren. Am Steinhuder Meer in Niedersachsen etwa staksen im Winter bis zu 300 weiße Reiher auf den umliegenden überschwemmten Wiesen umher.

Im Winter leuchten die Silberreiher-Schnäbel gelb, während der Paarungszeit verdunkeln sie sich. – Foto: Frank Derer

Warum die Silberreiher zunehmend Gefallen an deutschen Feuchtgebieten finden und diesen „Reisetipp“ offenbar auch fleißig verbreiten, wissen auch Experten nicht sicher. Dass allein der Klimawandel dazu geführt haben könnte, ist unwahrscheinlich. Silberreiher sind nicht kälteempfindlich und auch bei frostigen Temperaturen an eisfreien Fließgewässern zu beobachten.

Erweiterter Speisezettel

Wahrscheinlicher, so Thomas Brandt, Ornithologe in der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer, sind zwei andere Gründe. Zum einen hat der Fische und Amphibien fressende Silberreiher seine Speisekarte um Leckerbissen wie Mäuse und wirbellose Kleintiere erweitert, die er auch auf trockeneren Flächen wie beispielsweise Klee- und Luzernefeldern findet. So konnte er neue Nahrungsquellen und damit Lebensräume erschließen und muss nicht mehr zwangsweise in wärmere Gefilde ziehen, wenn die Gewässer zugefroren sind. In den 70er und 80er Jahren führte dies zu einer generellen Bestandszunahme des Silberreihers.Die hauptsächliche Ursache für das vermehrte Auftauchen des Silberreihers hierzulande dürfte jedoch in der Zunahme von Brutpaaren in den weiter nördlichen und kontinentalen Gebieten Osteuropas wie Russland oder der Ukraine liegen. Dort ist es zwar im Sommer warm, im Winter jedoch so kalt, dass die „Flüchtlinge“ lieber im vergleichsweise warmen Deutschland mit wenig Schnee überwintern. Finden sie in besonders harten Wintern auch bei uns keine Nahrung mehr, wandern sie wiederum weiter gen Süden.

Unsere Reiher im Vergleich: Nr. 1, der Graureiher. Erst ist der häufigste heimische Reiher und geringfügig kleiner als der Silberreiher – Foto: Frank Derer

Nr. 2: der Purpurreiher. Er ist sehr selten und kann auf den ersten Blick mit dem Graureiher verwechselt werden. – Foto: Frank Derer

Nr. 3: der Nachtreiher. Ebenfalls grau und sehr selten. Aufgrund der kompakten Form und der sehr langen Reiherfeder gut zu erkennen. – Foto: Frank Derer

Nr. 4: der Silberreiher. Als erwachsener Vogel ist er aufgrund der Größe und der fehlenden Schopffeder gut vom Seidenreiher zu unterscheiden. Außerhalb der Paarzungszeit ist der gelbe Schnabel das beste Erkennungsmerkmal.- Foto: NABU/Marco Frank

Nr. 5: der Seidenreiher. Er lässt sich in Deutschland nur ausnahmsweise blicken und ist kleiner als der Silberreiher. Typisch sind der dunkle Schnabel und die lange Schopffeder.- Foto: Frank Derer

Nr. 6: der Kuhreiher. Dieser kleine Reiher ist ebenfalls eine südliche Art, die sich nur sehr selten zu uns verfliegt. – Foto: Frank Derer

Silberreiher sind beinahe Kosmopoliten und kommen in Nord- und Südamerika ebenso wie in Asien und Teilen Afrikas vor. Eigentlich Brutvögel wärmerer Länder, konzentrierte sich ihr Brutgebiet in Europa ursprünglich auf relativ wenige Plätze, vor allem im Südosten. Hier liegen die Brutkolonien meist im Schilfröhricht, wo Männchen und Weibchen gemeinsam das Nest aus Schilfhalmen dicht über der Wasseroberfläche bauen. Auch die Brutarbeit teilen sich beide Elterntiere. Sind die Jungtiere flügge, bleibt die Familie noch einige Zeit zusammen, bis im Juli die für Reiher übliche Zerstreuungswanderung beginnt, bei der sich die Tiere getrennt voneinander in alle Richtungen verteilen.Aufgrund seiner ständigen Ortswechsel und des ganzjährigen Auftretens in Mitteleuropa ist über das genaue Zugverhalten des Silberreihers bisher nur wenig bekannt. Mitunter ist er noch im Spätherbst und Winter zu beobachten und unterscheidet sich daher von typischen Zugvögeln wie Weißstorch oder Kranich.

Langes Warten auf den ersten Brutnachweis

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Mensch den Silberreiher beinahe ausgerottet. Die verlängerten und fein aufgefiederten Schmuckfedern auf dem Rücken des Silberreihers waren besonders in der Damenwelt als Hutschmuck gefragt. Buchstäblich in letzter Minute wurde die Notbremse gezogen, die Jagd auf Silberreiher untersagt, die letzten Brutkolonien wurden unter Schutz gestellt und streng bewacht. So konnte sich der Bestand der Silberreiher in den vergangenen Jahrzehnten gut erholen.Mittlerweile haben Silberreiher ihr Brutareal in Europa erheblich ausgedehnt und sind von Südosteuropa bis in die Niederlande und nach Nordpolen vorgedrungen. Deutschland haben sie bei ihrer Auswahl der ihnen geeignet scheinenden Brutplätze lange übersehen – was erstaunlich ist, da uns jährlich mehrere hundert Tiere einen Besuch abstatten. 2012 war es dann aber soweit, direkt an der Ostseesküste gegenüber von Rügen gelang der erste offizielle Brutnachweis und der erste Nachwuchs wurde erfolgreich aufgezogen.Britta Hennigs

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