Was Landwirtschaft für den Naturschutz leistet(e)

By   /  January 3, 2018  /  Comments Off on Was Landwirtschaft für den Naturschutz leistet(e)

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

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Die Gefahr für den Artenschutz liegt in der Intensivierung

Durch Ackerbau und Beweidung schufen Landwirte über Jahrhunderte eine Kulturlandschaft, die einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum zur Verfügung stellte. Die heutige Intensivierung der Landwirtschaft gefährdet dieses Erbe.

LivingLand – Foto: Florian Schöne

Jahrhundertelang hat die Landwirtschaft dafür gesorgt, dass in Deutschland eine reichstrukturierte und artenreiche Kulturlandschaft entsteht. Durch lokale Übernutzung von Flächen in den letzten Jahrhunderten wurde diesen Flächen Nährstoffe entzogen, wodurch artenreiche Lebensräume wie beispielsweise Heiden entstanden. Durch Ackerbau und Beweidung sorgten Landwirte dafür, dass die Landschaft offen gehalten wird und sich kein neuer Wald ansiedelt. Diese Kulturlandschaft stellt mit ihren unterschiedlichen Lebensräumen einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen Habitate zur Verfügung.

Durch eine zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und damit einhergehend eine Vergrößerung der Felder sind leider viele der hierfür notwendigen Strukturelemente wie Hecken oder Ackerränder verloren gegangen, und mit diesen auch viele Tiere und Pflanzenarten. Durch eine Rückkehr der Landwirtschaft zu einer kleinräumigeren, strukturreichen Landschaft würden jedoch wieder viele Lebensräume für Ackerkräuter, Insekten und Vögel zur Verfügung stehen.

Was Landwirte auch heute noch für den Naturschutz leisten

Aber auch so erbringen viele Landwirte verschiedenste Leistungen für den Naturschutz. Sie tragen mit der Anlage von Blühflächen oder Brachen zur Entstehung von Lebensräumen für Insekten und Vögel bei. Besonders mehrjährige Brachen, die idealerweise von einem Mosaik aus verschiedenen Pflanzen in unterschiedlichen Altersstadien und Höhen geprägt sind, locken viele Insekten und Vögel an, darunter auch bedrohte Arten wie Rebhühner, Grauammern und Braunkelchen sowie Säugetiere wie den Feldhasen. Viele Landwirte tragen zusätzlich mit der Anlage von Lerchen- und Kiebitzfenstern zum Erhalt dieser Vögel bei. Aber auch durch ackerbauliche Maßnahmen wie eine vielfältige Fruchtfolge über mindestens fünf Jahre ermöglichen sie eine Vielzahl von Ackerkulturen, die Nahrung für verschiedenste Arten zur Verfügung stellen und zudem in der Lage sind, die Böden in ihrer Funktion zu erhalten. Lockere Bestände von Getreide bieten einen Lebensraum für Feldlerchen und Rebhühner. Traktoren können auf nicht asphaltierten Wegen für die Entstehung temporärer Gewässer, in denen es vor Leben wimmelt, sorgen. Zusätzlich pflegen viele Landwirte Hecken, Knicks, Baumgruppen und Kopfweiden, die in vielen Regionen das Landschaftsbild prägen – damit tragen sie zur Vernetzungen von Lebensräumen bei.

Durch Beweidung werden in vielen Gebieten Deutschlands kurzrasige Lebensräume geschaffen, die für viele Vögel wie Stare, Kiebitze, Bachstelzen und Schwalben zur Nahrungssuche unerlässlich sind. Auch für viele Insekten stellen Weiden einen wichtigen Lebensraum dar. Viele seltene Habitate wie Heiden, Trockenrasen aber auch Feuchtwiesen werden durch eine Beweidung vor allem mit Schafen und Ziegen erhalten. Zusätzlich führt die Beweidung durch Wanderschäferei zu einer Vernetzung von Gebieten, da sich in der Wolle der Schafe häufig Samen und kleine Insekten verfangen und so die Schafe als Transportmittel nutzen. Der Kot der Weidetiere stellt – bei einem moderaten Einsatz von Entwurmungsmitteln und Medikamenten – eine wichtige Nahrungsquelle für viele Arten dar. Und alte Weidezäune werden gerne von Vögeln, zum Beispiel dem Braunkehlchen, als Ansitzwarte genutzt.

Viele landwirtschaftliche Gebäude bieten Lebensraum für unterschiedliche Arten. Klassisch sind Mehlschwalben, die an Außenseiten von Gebäuden brüten, oder auch Rauchschwalben, die traditionell in Ställen brüten. Scheunen stellen oft einen attraktiven Brutplatz für Turmfalken und Schleiereulen dar. Bei einer Lagerung von Stroh in den Gebäuden und einem geeigneten Zugang bieten landwirtschaftliche Gebäude zudem ein Jagdgebiet für Schleiereulen im Winter. Aber auch Fledermäuse finden sich häufig in den alten Gebäuden oder auch alten Bäumen, die zu vielen Höfen gehören. Neben verschiedenen Vögeln nutzen auch viele Insekten diese als Lebensraum. Und an alten Holzbalken kann man häufig Hornissen beobachten, die Material für ihre Nester sammeln.

Darüber hinaus verfügen viele Bauernhöfe noch über Reste von Streuobstwiesen. Mit ihrer Mischung aus unterschiedlich alten, hochstämmigen Bäumen beherbergen sie viele Insekten, aber auch Vögel. Viele Höfe besitzen auch noch einen traditionellen Bauerngarten, in dem sich alte Pflanzen finden, die eine wichtige Futterquelle für Insekten darstellen.

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