Marktstimmung: “Super Stimmung, nur nicht in Deutschland”

By   /  January 18, 2018  /  Comments Off on Marktstimmung: “Super Stimmung, nur nicht in Deutschland”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Super Stimmung, nur nicht in Deutschland”

Zusammenfassung

Der DAX hat seit vergangenen Mittwoch rund 1 Prozent verloren, diesmal waren die mittelfristig orientierten hiesigen Anleger beteiligt. 3 Prozent der Profis haben Aktien verkauft, 4 Prozent sind short gegangen. Das drückt die Marktstimmung auf +5 Punkte.
Von den Privatanlegern sind sogar 7 Prozent direkt von der Bullen- auf die Bärenseite gewechselt. Deren Sentiment-Index kommt von sehr hohem Niveau in der Vorwoche auf +14 Punkte herunter.
Für Joachim Goldberg ist vor allem die Sorge, die EZB könne ihr Lockerungsprogramm abrupt und früher als geplant herunter fahren, Auslöser des Pessimismus. Bemerkenswert findet der Verhaltensökonom, dass die meisten der Verkäufer ohne Gewinne aus dem Markt gegangen sein dürften. Er weist darauf hin, dass die Stimmung absolut zwar noch über der Nulllinie zwischen Optimismus und Pessimismus stünde, relativ zum Mittel aber recht neutral sei. Deswegen erwartet Goldberg, dass der DAX “bei stärkeren Kursrückgängen auf Nachfrage der Pessimisten treffen und daher ordentlich unterstützt würde.” Bei einem Run müssten die Skeptiker dem Markt vermutlich hinterherrennen. Deswegen bleibt er nach wie vor positiv eingestellt.
17. Januar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Internationale Investoren scheinen kein Ende der Aktienmarkthausse zu sehen. Nein, die Aktienmärkte werden nicht, wie vor einem Monat noch befürchtet, im zweiten Quartal 2018 ihren Höhepunkt erreichen. Vielmehr ergab die jüngste Umfrage von BofA Merrill Lynch bei internationalen Fondsmanagern, dass es mit den Aktien noch bis zum Jahr 2019 oder sogar jenseits davon weiter nach oben gehen könnte. Netto sind 55 Prozent der Befragten in Aktien übergewichtet, was einem 2-Jahres-Hoch entspricht – die Kassehaltung fiel auf 4,4 Prozent, also auf ein Fünfjahrestief.
Diese positive Ansicht scheinen die von uns befragten mittelfristig orientierten Investoren jedoch nicht zu teilen. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index ist um 7 Punkte auf einen Stand von +5 Punkte gefallen, wobei sich der Großteil dieser noch übersichtlichen Verschiebung als direkte Wanderung früherer Optimisten ins Bärenlager darstellt.
Nun mag es für diese Zurückhaltung verschiedene Gründe geben. Einer davon könnte darin bestehen, dass man sich nicht gerne in einer euphorischen Masse bewegt, die vor allen Dingen ihren Ursprung in den USA haben dürfte, begünstigt etwa durch die Ende vergangenen Jahres verabschiedete Steuerreform.
Mehr noch als das Bestreben, sich antizyklisch zu verhalten, liefert jedoch die veränderte Rhetorik der Europäischen Zentralbank ein Motiv für den geringen Optimismus hierzulande. Denn mit ihrem vor ein paar Tagen veröffentlichten Protokoll der letzten Sitzung des vergangenen Jahres schreckte die EZB den einen oder anderen Investor insofern auf, als man mit etwas Fantasie durchaus auf die Idee kommen könnte, die Zentralbank werde ihr Anleihekaufprogramm früher als ursprünglich gedacht zurückfahren. Diese Befürchtungen erhielten dann zu Wochenanfang noch mehr Bestätigung, als sich ein Mitglied des EZB-Rats sogar dahingehend äußerte, dass bei entsprechend guten ökonomischen Voraussetzungen das Kaufprogramm im September sogar auf einen Schlag beendet werden könnte. Auch wenn sich angeblich sogenannte “informierte Kreise” innerhalb der EZB bemühten, diese Aussage zu relativieren: Die Aussicht, das für den hiesigen Aktienmarkt so wichtige quantitative Lockerungsprogramm könne womöglich vorschnell und nicht schrittweise beendet werden, hinterließ deutliche Spuren.

Angst vor der EZB

Dies gilt auch für die zuletzt wesentlich optimistischer eingestellten Privatanleger deren Börse Frankfurt Sentiment-Index sich gegenüber der Vorwoche glatt halbierte und nur noch einen Stand von +14 Punkte aufweist. Die für diesen Umschwung infrage kommenden früheren Optimisten haben sich übrigens fast allesamt um 180 Grad gedreht und sind ins Bärenlager gewechselt.
Die jüngste Sentiment-Entwicklung in beiden Gruppen ist insofern bemerkenswert, als es während des Berichtzeitraums gegenüber der Vorwoche kaum Gelegenheiten gab, sich profitabel von bullishen Aktienengagements zu trennen – der Wochenverlust des DAX in der Punktbetrachtung beträgt 1 Prozent. Absolut hat sich zwar in der heutigen Befragung in beiden Gruppierungen noch etwas Optimismus gezeigt, doch muss man in der relativen Betrachtung zu den beiden Vorquartalen sogar von einem gewissen Pessimismus sprechen. Das sollte allerdings kein Grund zur Sorge sein, da das Börsenbarometer bei stärkeren Kursrückgängen auf entsprechende Nachfrage der Pessimisten treffen und daher ordentlich unterstützt würde. Noch interessanter gestaltet sich jedoch das Geschehen, wenn man sich einen möglichen Run auf das Allzeithoch des DAX vorstellt. Denn dann kämen die Skeptiker von heute in Verlegenheit und müssten womöglich dem Markt hinterherrennen. Deswegen bleiben wir für den DAX aus Sicht der heutigen Stimmungserhebung nach wie vor positiv eingestellt.
Video-Kommentar von Joachim Goldberg
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Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal39%34%27%ggü. letzter Erhebung-3%+4%-1%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.210 (-140 Pkt.) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +5 Punkte (Stand Vorwoche: +12 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal46%32%22%ggü. letzter Erhebung-7%+7%+0% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.210 (-140 Pkt.) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +14 Punkte (Stand Vorwoche: +28 Punkte)

17. Januar 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von InvestorenDie Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt. Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.
Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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