Interview mit Jens Marquardt zur Entwicklung des neuen BMW M8 GTE: „Der besondere Teamgeist wird uns definitiv lange im Gedächtnis bleiben“.

By   /  January 25, 2018  /  Comments Off on Interview mit Jens Marquardt zur Entwicklung des neuen BMW M8 GTE: „Der besondere Teamgeist wird uns definitiv lange im Gedächtnis bleiben“.

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MIL OSI – Source: BMW Group –

Headline: Interview mit Jens Marquardt zur Entwicklung des neuen BMW M8 GTE: „Der besondere Teamgeist wird uns definitiv lange im Gedächtnis bleiben“.

Daytona. Am Mittwoch hat BMW Motorsport in Daytona (USA) den
neuen BMW M8 GTE im finalen Design für die IMSA WeatherTech
SportsCar Championship 2018 vorgestellt. Der Einsatz von zwei
Fahrzeugen in der GT-Klasse beim 24-Stunden-Rennen auf dem „Daytona
International Speedway“ ist die Rennpremiere und damit der nächste
Meilenstein der „Mission8“. Im Interview lässt BMW Motorsport
Direktor Jens Marquardt die Entwicklung des BMW M8 GTE noch einmal
Revue passieren und unterstreicht die Bedeutung des Teamgeists in
der Entwicklungsmannschaft.

 

Herr Marquardt, die Rennpremiere des neuen BMW M8 GTE steht
bevor. Nehmen Sie uns mit auf eine Reise durch die Entwicklungsphase
des Rennwagens in den vergangenen Monaten. Wie fing alles an?

Jens Marquardt: „Der erste Renneinsatz des neuen BMW M8 GTE in
Daytona wird für jeden von uns bei BMW Motorsport etwas ganz
Besonderes. Die Wurzeln des GTE-Projekts liegen in einer Kombination
aus vielen Aspekten. Beim Start des Programms 2015 lautete das Ziel,
die Aktivitäten im klassischen Motorsport, dem BMW M Motorsport,
auszubauen und uns noch internationaler aufzustellen. Zugleich übte
die mögliche Rückkehr nach Le Mans auf unsere Mannschaft eine ganz
eigene Faszination aus. Der wichtigste Faktor war jedoch, dass
zeitgleich auch das BMW 8er Coupé Serienmodell entstand. Wir erhielten
vom Vorstand grünes Licht, parallel zu den Serienkollegen einen
reinrassigen GTE-Rennwagen zu entwickeln. So ging es los. Nun ist der
BMW M8 GTE bereit für Daytona. Zum ersten Mal in der Geschichte von
BMW Motorsport ist das Rennauto vor seinem Serienpendant im Einsatz.“

Als die Entwicklung des BMW M8 GTE startete, gab es noch gar
kein Serienmodell…

Marquardt: „Richtig. Wir haben von Beginn an Seite an Seite mit den
Kollegen aus der Serienentwicklung zusammengearbeitet, um die
einzelnen Schritte so gut wie möglich aufeinander abzustimmen. Dennoch
war es eine Herausforderung. Als wir die erste Karosserie des
Serienfahrzeugs benötigten, gab es ganz einfach noch keine. Wir
konnten dann aber mit speziellen Prototypen-Karosserien aus der
Serienentwicklung arbeiten. Auf diese Weise arbeiteten wir uns Schritt
für Schritt vor. Zudem hat sich zu Beginn unserer Entwicklung das
Serienmodell immer noch leicht verändert. Wir hatten es also am Anfang
in gewisser Weise mit einem beweglichen Ziel zu tun.“

Wie ist die Zusammenarbeit mit den Serienkollegen verlaufen?

Marquardt: „Sehr eng und effizient. Die Entwickler aus der Serie
hatten natürlich ihre ganz eigenen Herausforderungen zu meistern.
Trotzdem waren sie für das GTE-Projekt immer offen und hilfsbereit.
Das war echtes Teamwork. Wir haben frühzeitig unsere
Entwicklungs-Schwerpunkte mit den Fokusthemen rund um das Serienmodell
synchronisiert. Die Frage lautete: Was soll das Rennauto ausstrahlen
und verkörpern? Die Kernwerte des BMW 8er Coupé sollten auch die
Stärken des BMW M8 GTE werden.“

Können Sie Beispiele für diese Entwicklungsschwerpunkte nennen?

Marquardt: „Nehmen wir das Design – und das gleich in mehrerlei
Hinsicht. Wir übernehmen ja zwangläufig die äußere Kontur und die
Dachlinie des Serienmodells. Es galt aber auch, Elemente wie die
Scheinwerfer, den ‚Carbon Core’ oder die Mittelkonsole auf Basis des
BMW 8er Coupé in den Rennwagen zu bringen. Das Thema Kohlefaser hat
grundsätzlich eine große Rolle gespielt.“

Ist der BMW M8 GTE seinem Serienpendant durch die gemeinsame
Entwicklung so ähnlich wie kein anderes BMW Rennfahrzeug?

Marquardt: „Wenn man auf das Reglement schaut, ist etwa beim BMW M6
GT3 der Motor extrem seriennah, wir durften aber die Karosserie
stärker verändern. Beim BMW M8 GTE ist die Karosserie näher am
Serienmodell, dafür musste der Motor erheblich modifiziert werden.
Aber das Wichtige ist: Beim BMW M6 GT3 haben wir auf einem
existierenden Auto aufgesetzt. Das war diesmal anders. Weil der
Rennwagen schon vor dem Serienfahrzeug im Einsatz ist, haben wir sehr
früh und intensiv mit der Design-Abteilung zusammengearbeitet, um
sicherzustellen, dass die Formensprache passt. Das hat sehr gut funktioniert.“

Die GTE-Klasse ist hart umkämpft, sowohl in der IMSA-Serie als
auch in der FIA WEC. Wie groß war die Herausforderung in Sachen Performance?

Marquardt: „Wir treffen mit dem BMW M8 GTE auf starke Konkurrenz, das
ist klar. Wir hatten als Referenz den BMW M6 GTLM, der wiederum aus
dem GT3-Fahrzeug abgeleitet worden war. Jetzt konnten wir uns voll und
ganz auf die Anforderungen der GTE-Klasse konzentrieren. So sind viele
Teile gezielt für dieses Fahrzeug entworfen worden, um Bereiche wie
Gewicht, Schwerpunkt und Aerodynamik explizit auf das spätere
Einsatzgebiet abzustimmen. Wir haben unsere eigenen Vorgaben beim
Motor und bei der Aerodynamik sogar ein Stück übertroffen. Auch bei
anderen Komponenten wie Fahrwerk oder Traktionskontrolle haben wir
einen großen Schritt gemacht. Das bestätigen auch die Rückmeldungen
der Fahrer. Zu welchen Ergebnissen uns das im Jahresverlauf bringen
wird, werden wir sehen. Die ‚Balance of Performance’ spielt dabei
natürlich auch eine gewichtige Rolle. Großes Potenzial hat der BMW M8
GTE jedoch in jedem Fall.“

Gab es in der Entwicklung spezielle Schlüsselmomente?

Marquardt: „Der besondere Teamgeist in der Entwicklungsmannschaft
wird uns definitiv lange im Gedächtnis bleiben. Die Ingenieure haben
sich gegenseitig immer wieder neu motiviert und viel Herzblut in
dieses Projekt investiert. Der Rollout in Dingolfing war dann der
erste Höhepunkt. Ähnlich bedeutsam war dann der zweite Schritt, bei
dem das finale Fahrwerk und die finale Aerodynamik ans Auto kamen. Das
war ein extrem sportlicher Zeitplan, der direkt in einen
24-Stunden-Test mündete. All das haben wir als Team mit einer
bemerkenswerten Gruppendynamik hinbekommen. Ich bin stolz auf jeden
bei BMW Motorsport.“

Inwieweit geht die Entwicklungsarbeit nach dem ersten Rennen
in Daytona weiter?

Marquardt: „Es gibt nach der Homologation des Fahrzeugs Teilbereiche,
in denen wir Dinge ändern können und dürfen. Vor allem im Bereich der
Software ist noch weitere Arbeit möglich, auch an der Abstimmung des
BMW M8 GTE mit all seinen Systemen werden wir weiterarbeiten und die
gesammelten Erfahrungswerte mit einbeziehen. Jetzt freuen wir uns aber
erst einmal auf das erste Rennen in Daytona.“

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