Marktstimmung: “Wahl zwischen zwei Ängsten”

By   /  January 25, 2018  /  Comments Off on Marktstimmung: “Wahl zwischen zwei Ängsten”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Wahl zwischen zwei Ängsten”

Zusammenfassung

Auch die heutige Stimmungserhebung hat gezeigt, dass die Börsianer dem jüngsten Aufwärtstrend nicht so recht trauen wollen. Zumindest ist von Kauflaune weit und breit nur wenig zu spüren. Joachim Goldberg spricht von zwei Ängsten, zwischen denen sich viele Anleger entscheiden müssten. Die mögliche Reue, auf historisch hohem Niveau noch kaufen zu müssen und dann womöglich von einer Korrektur überrollt zu werden. Oder die Angst (“the fear of Missing out”), einen wesentlichen Aufwärtstrend zu verpassen. Möglicherweise sind es aber auch ganz einfach die fantastischen ökonomischen Prognosen, die vielen zu hoch erscheinen. Doch hat gerade in der jüngeren Vergangenheit die Erfahrung gezeigt, dass es für Positives nicht immer und unbedingt Grenzen geben muss.
24. Januar 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nun hat es der DAX tatsächlich geschafft, dass vielerorts prognostizierte neue Allzeithoch zu erreichen. Von großer Freude ist allerdings nicht allzu viel zu spüren: “Hier wird nicht gefeiert!”, so der lapidare Kommentar eines Börsenreporters live vom Parkett. Dabei sieht doch derzeit ökonomisch hierzulande alles ziemlich rosig aus. Und trotz dieser insgesamt bereits äußerst positiven Erwartungshaltung konnte diese gestern sogar noch einmal getoppt werden, als etwa der ZEW-Index – zumindest in der Einschätzung der aktuellen Situation – den höchsten Stand seit seiner Einführung 1991 markierte. Was allerdings die Erwartungshaltung der Befragten angeht, so spiegelt sie – wie schon häufiger in der Vergangenheit – die Stimmung der institutionellen Investoren hinsichtlich der DAX-Entwicklung der Vorwoche wider. Kein Wunder also, dass die ZEW-Stimmung (per 19. Januar) unter ihrem langfristigen Durchschnitt lag.
Die große Frage, die sich nun für heute stellte: Würden die von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten Investoren angesichts des zwischenzeitlich erreichten neuen Allzeithochs des DAX weiterhin so zurückhaltend wie zuletzt bleiben? Tatsächlich sind die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren erstaunlich ruhig geblieben. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index hat sich gerade einmal um 4 Punkte gegenüber der Vorwoche auf einen Stand von +9 befestigt, so dass man bislang nicht von einer Kaufpanik sprechen kann. Tatsächlich scheint sogar rund ein Drittel aller Befragten dem jüngsten Kursanstieg des Börsenbarometers – in der Punktbetrachtung notieren wir ein Wochenplus von 2,6 Prozent – nicht trauen zu wollen. Gut möglich, dass man die am Donnerstag stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank erst einmal abwarten möchte, für den Fall, dass EZB-Präsident Mario Draghi (weitgehend unerwartet) doch noch seine Kommunikation hinsichtlich möglicherweise vorzeitig endender Anleihekäufe ändern sollte. Und so profitiert die Gruppe der Optimisten fast ausschließlich von ehemals neutral eingestellten Akteuren, und dies nur in recht bescheidenem Umfang.

Keine rauschende Stimmung

Auch die Privatanleger sind optimistischer als in der Vorwoche gestimmt, aber auch deren Börse Frankfurt Sentiment-Index spricht mit einem Plus von 9 Punkten und einem Stand von nunmehr +23 nicht für eilige Käufe. Immerhin haben in diesem Panel Pessimisten und neutral gestimmte Akteure jeweils in gleichem, aber übersichtlichem Maße ihre vorherige Meinung zugunsten der Bullen aufgegeben.
Verglichen mit dem Kurszuwachs des DAX gegenüber der Vorwoche sind die Änderungen der Stimmung in den jeweiligen Panels ausgesprochen moderat geblieben, so dass der jüngste Anstieg des Börsenbarometers möglicherweise auch auf ausländische Käufer zurückzuführen ist. Auf jeden Fall ist das Sentiment hierzulande keinesfalls am Überkochen. Gemessen an den Werten der vergangenen Monate muss man in der relativen Betrachtung sogar einräumen, dass vor allem die Stimmung bei den institutionellen Akteuren bestenfalls als neutral bezeichnet werden kann – bei den Privatanlegern ist sie kaum wesentlich besser. Der ausbleibende Jubel, der ansonsten bei Erreichen von Allzeithochs zu vernehmen ist, spricht dafür, dass vielerorts der Börsenzug verpasst worden ist. Dies verleiht dem DAX im Falle von “größeren” Rückschlägen (in einer Größenordnung von 1,5 bis 2,5 Prozent, gemessen am heutigen Erhebungskurs von 13.550 Zählern) zumindest temporär gute Unterstützung. Und im Falle weiter steigender DAX-Kurse wird man sich als Pessimist nicht allzu lange der Macht des Faktischen entziehen können und die verpassten Käufe irgendwann nachholen müssen. Am Ende müssen sich derzeit viele Anleger zwischen zwei Ängsten entscheiden. Derjenigen, auf dem Stand von heute möglicherweise zu teuer zu kaufen, oder derjenigen, einen schönen Trend verpasst zu haben. Beides bedeutet: weiterhin gute Aussichten für deutsche Standardwerte.
Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von InvestorenAlle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt. Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.

Video-Kommentar von Joachim Goldberg
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Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal43%34%23%ggü. letzter Erhebung+4%+0%-4%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.550 (+340 Pkt.) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +9 Punkte (Stand Vorwoche: +5 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal52%29%19%ggü. letzter Erhebung+6%-3%-3% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.550 (+340 Pkt.) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +23 Punkte (Stand Vorwoche: +14 Punkte)

24. Januar 2018, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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