Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 9 und Schluss)

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MIL OSI – Source: DOSB –

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Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 9 und Schluss)
29.01.2018
Im Sommer ist der sechste Sportentwicklungsbericht erschienen. In einer mehrteiligen Serie werden wichtige Ergebnisse dieser bundesweiten Erhebung vorgestellt.

Auch den Schiedsrichtern wird ein Teil des Sportentwicklungsbreichts gewidmet. Foto: picture-alliance

Im dreiteiligen Kapitel IV. mit dem Titel „Weiterführende Strukturanalysen des organisierten Sports“ geht es zunächst um die Komplettierung des Sportentwicklungsberichts mit Routinedaten aus sportunabhängigen Erhebungen bzw. amtlichen Statistiken. Sodann folgen zwei völlig neue Auswertungssegmente – nämlich zum Kampf- und Schiedsrichterwesen und über die Situation der Fußballschiedsrichter in Deutschland. Alle drei Funktions-Gruppierungen sind existenziell in nahezu jeder Sportart. Wenn es sie nicht gäbe, könnte kein verbandlich organisierter Spiel- und Wettkampfbetrieb durchgeführt werden. Insofern ist der Erhalt bzw. besser noch der Ausbau des Kampf- und Schiedsrichterwesens eine Investition in die Zukunft mit höchster Priorität für alle Vereine und Verbände.
Der neue Sportentwicklungsbericht liefert hierzu interessante Daten, die viel Aufschluss geben und für weiterführende Impulse zur Stabilisierung des Schieds- und Kampfrichterwesens beitragen können: Durchschnittlich ist ein Kampf- bzw. Schiedsrichter im Vereinssport in Deutschland 44 Jahre alt; nur knapp jede fünfte Person ist davon eine Frau. Genau 98 Prozent dieser Männer und Frauen sind in Deutschland geboren; von den übrigen Geburtsländern ragt ein wenig unser östlicher Nachbar Polen (mit 0,6 Prozent) heraus. Die Sozialfigur des Kampf- und Schiedsrich-ters wird hinsichtlich ihrer Bildungsbiografie weiter dadurch charakterisiert, dass rund die Hälfte erfolgreich studiert hat und über einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss verfügt.
Die Bindung zu ihrer Kampf- bzw. Schiedsrichtertätigkeit wird so klassifiziert: Sie üben diese Tä-tigkeiten durchschnittlich bereits über zwölf Jahre aus, im Tischtennis sind dies im Durchschnitt sogar schon über 16 Jahre. Der Personenkreis ist seit rund 18 Jahren in dem Verein, für den er in dieser Funktion tätig ist; im Rudern sogar über 24 Jahre. Kampf- und Schiedsrichter kommen pro Jahr rund 15-mal zum Einsatz, Fußball-Schiedsrichter allerdings 39-mal. Sie alle investieren im Durchschnitt 22 Stunden monatlich für diese Tätigkeit. Sie haben dabei einen finanziellen Aufwand in Höhe von 364 € monatlich zu leisten und erhalten eine Aufwandsentschädigung von rund 20 € pro Einsatz. Damit übersteigen die Ausgaben die Einnahmen.
Zur Situation speziell der Schiedsrichter im Fußball noch soviel: Sie sind zu 95 Prozent männlich, mit 34,5 Jahren deutlich jünger als alle anderen. Ihre Bildungsbiografien sind „durchmischt“: 18,1 % haben einen Universitäts- bzw. Fachhochschulabschluss, zwei von fünf Schiedsrichtern haben mindestens das Abitur als höchsten Bildungsabschluss, und vier von fünf (80, 8 Prozent) die Mittlere Reife erfolgreich abgeschlossen. Schiedsrichter im Fußball sind aber viel häufiger Beleidigungen, Bedrohungen und Tätlichkeiten bei Ausübung ihrer Tätigkeit ausgesetzt: Durchschnitt-lich bei jedem sechsten Einsatz ist dies der Fall, bei allen anderen höchstens bei jedem 20. Einsatz.
Themawechsel und damit zu Teil V. im zweiten Berichtsband: Kreis- und Stadtsportbünde sind auf kommunaler Ebene die Ansprechpartner für die Vereine und gelten als Bindeglied zwischen dem organisierten Sport auf der einen und der Politik auf der anderen Seite. Sie sind in aller Regel Mitglied des jeweiligen Landessportbundes. Die meisten sind rechtlich selbstständig, aller-dings mit der Ausnahme, dass dies in Bayern genau umgekehrt ist. Interessant ist u.a. der Befund, dass rund die Hälfte aller Kreis- und Stadtsportbünde selbst Sportangebote offeriert, und zwar nicht ausschließlich für Vereinsangehörige, sondern mit dem Schwerpunkt für Menschen mit Migrationshintergrund, für Flüchtlinge und für ältere Menschen. Bei Betrachtung der selbst formulierten Aufgabenfelder wird deutlich, dass die Beratung und Unterstützung der Sportvereine neben der politischen Interessenvertretung Priorität genießt. Insofern verstehen sich Kreis- und Stadtsportbünde als ein (unterstützender) Dienstleister in Sachen „Sport“ und legen sehr großen Wert auf die Qualifizierung von Sportlehrkräften (Übungsleiterinnen und Übungsleiter) für den Vereinssport.      
Der zweite Berichtsband schließt mit einem Kapitel zum theoretischen Hintergrund, der Auskunft über die Produktion von Handlungs- und Argumentationswissen (Kap. VI.) für die Abnehmer des Sportentwicklungsberichts gibt. Ferner gibt es hinten im Band eine Übersicht mit der verwendeten Literatur und im Anhang ab Seite 542 (Kap. VIII.) den Abdruck aller Fragebögen, die bei den unterschiedlichen Befragungen zum Einsatz kamen.
Literatur und Hinweise zum Sportentwicklungsbericht 2015/2016:
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band I: Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band II: Weiterführende Strukturanalysen. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Weitere Informationen zum Thema Sportentwicklungsbericht mit Downloadmöglichkeiten sind auf der Homepage des DOSB unter www.dosb.de/seb  abrufbar.
Für weitere Auskünfte steht Christian Siegel (siegel(at)dosb.de) im DOSB zur Verfügung.
(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

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