Streit um die besten Bissen

By   /  January 12, 2019  /  Comments Off on Streit um die besten Bissen

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Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandDas NABU-Naturfoto des Monats Januar

Todeskampf, nacktes Überleben, Energiesparen – das alles ist der Winter. Zumindest für viele Tiere stimmt dieser Satz. Naturfotograf Kevin Winterhoff hat diesen Monat einen ganz besonderen Moment eingefangen.

Kämpfende Mäusebussarde – Foto: Kevin Winterhoff

Während wir eher von Winterpfunden, Kaminfeuer und warmen Kakao sprechen, ist die kalte Zeit des Jahres für die Natur ein echter Härtetest. Besonders wenn Schnee fällt, kann es für viele Tiere zu einer ernsten Bedrohung kommen. Sowohl Säugetiere, wie Rehe und Hirsch als auch eine ganze Reihe von Vogelarten kommen mit langen Schneelagen nicht gut zurecht.Das hängt oft mit der jeweiligen Nahrungsaufnahme zusammen. So trifft man Rehe in großen Höhen oder auch offenen Grasland zur Winterzeit kaum an. Sie meiden Gebiete mit langer Schneelage, um weiterhin an Grasflächen als Nahrung zu kommen. Zudem werden in dieser Zeit auch vermehrt Knospen von Bäumen gefressen. Bei sehr großer Notlage, wie aktuell im Süden Europas, kommt es bei fehlendem, menschlichem Eingriff auch zu Winteropfern.
Eine verharschte Schneedecke kann lebensbdrohend sein
Ebenso geht es auch vielen Vögeln. Der Steinkauz beispielsweise brütet in Mitteleuropa kaum über 500 Meter über Null. Auch er ist auf tägliche Nahrungsaufnahme angewiesen. Durch seine geringe Größe stellt insbesondere verharschter Schnee eine lebensbedrohliche Lage dar. Ähnlich geht es da den Schleiereulen.Die Mäusebussarde haben da eine etwas andere Technik, um über die harte Winterzeit zu kommen. In Deutschland sind Mäusebussarde zumeist Standvögel, das heißt sie bleiben auch in der Winterzeit hier. Sie passen jedoch ihr Körpergewicht der Jahreszeit an. So nehmen sowohl Weibchen als auch Männchen rund 15 Prozent ihres Körpergewichtes zu. Diese Reserve wird dann bis zum April gebraucht, um harte Frostperioden mit Schneeauflage überstehen zu können.
Streit um die besten Bissen
Zudem entsteht im Winter eine erhöhte Konkurrenz unter Bussarden, da skandinavische Populationen sehr wohl Zugvögel sind und diese auch in Deutschland überwintern. Neben der Zunahme an Gewicht kann auch die spontane Wanderung bei großer Schneelage eine Überlebensstrategie sein. So ist im Moment anzunehmen, dass besonders in der Alpenregion ein spontaner Zug von Mäusebussarden ins Alpenvorland oder anderen schneearme Regionen einsetzt. Außerdem entsteht durch die hohe Schneeauflage ein erhöhter Konkurrenzdruck.In diesen Situationen kommt es auch zu größeren Gruppenansammlungen bei der Nahrungsmöglichkeit eines Fallwilds. Dabei entsteht hierbei eine echte Rangordnung, welche auch durch Kämpfe verteidigt wird. Verendet also beispielsweise ein Reh aufgrund der hohen Schneelage, ist das wieder eine Überlebensmöglichkeit für die dortigen Bussarde. So ist gerade auch in den Notzeiten das Unglück des einen des anderen Glück.Kevin Winterhoff

Vergangene Naturfotos im Januar:

Januar 2015 – Foto: Robert Sommer

Januar 2016 – Foto: Robert Sommer

Januar 2018 – Foto: Sebastian Hennings

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MIL OSI

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