Welche Faktoren beeinflussen die Fertilität von Migranten?

By   /  June 5, 2019  /  Comments Off on Welche Faktoren beeinflussen die Fertilität von Migranten?

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MIL OSI – Source: Federal Institute for Population Research – BIB –

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Bei der Konferenz in Rostock zum Thema „Children in Migrant or Ethnic Minorities: Demographic and Social Processes in a Comparative Perspective“ betrachteten BiB-Wissenschaftler die Auswirkungen von Migration auf das Geburtenverhalten. Mit den möglichen Folgem von Scheidungen im Hinblick auf die Kinderzahl von Frauen mit türkischem Migrationshintergrund beschäftigte sich Robert Naderi. In einem weiteren Vortrag beleuchtete Dr. Elisabeth K. Kraus das Fertilitätsverhalten von Migranten und Nicht-Migranten am Beispiel senegalesischer Migration nach Europa.

Quelle: © Capri23auto/pixabay
Veranstaltet wurde die Konferenz am 16. Mai 2019 vom EAPS-Netzwerk „Migrant and Minority Fertility in Europe“ sowie der Sektion „Migration und ethnische Minderheiten“ der Deutschen Soziologischen Gesellschaft (DGS) in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR).
Wirken sich Scheidungen auf die Kinderzahl aus? Ein türkisch-deutscher Vergleich
Haben geschiedene Frauen weniger Kinder als verheiratete Frauen? Spielt der Migrations- und Bildungshintergrund hierbei eine Rolle? Welche Auswirkungen hat eine mögliche Wiederverheiratung auf die Gründung von Stieffamilien? Diesen Fragen ging Robert Naderi auf der Grundlage von Daten des deutschen Familien-Panels pairfam in der Kohorte der 1971 bis 1973 geborenen Frauen nach. Im Vergleich wurde deutlich, dass es unter den Frauen türkischer Herkunft dieser Kohorte einen erhöhten Anteil geschiedener Frauen und dabei einen deutlichen Unterschied in der Verteilung der Kinderzahl zu den verheirateten Frauen mit türkischen Wurzeln gibt.
„Geschiedene Frauen mit türkischem Migrationshintergrund der Jahrgänge 1971 bis 1973 haben deutlich seltener drei und mehr Kinder, was unter den verheirateten Frauen gleicher Herkunft häufig vorzufinden ist. Es scheint so, dass im Gegensatz zu deutschen Frauen ohne Migrationshintergrund seltener Wiederverheiratungen stattfinden, die zu einer Erhöhung der Kinderzahl der betroffenen Frauen führen könnte“, so Naderi. Als wichtiger Faktor zur Beschreibung der Unterschiede bei den Kinderzahlen zeigt sich aber auch in dieser Studie der Bildungshintergrund: „Höhere Bildungsabschlüsse bei Frauen mit türkischen Wurzeln führen scheinbar noch stärker als in den anderen hier betrachteten Gruppen zu niedrigeren Kinderzahlen“, sagte der Soziologe.
Zusammengenommen kann also vermutet werden, dass Scheidungen, stärker als bei Frauen ohne Migrationshintergrund, mit einer Beendigung der Fertilitätsbiographie einhergehen. Und dies scheint mit der Bildung assoziiert zu sein.
Führt die Migrationserfahrung von Paaren zu weniger Kindern?
Unterscheidet sich das Fertilitätsverhalten von Paaren, in welchen einer oder beide Partner migriert sind, von Paaren, bei denen beide Partner im Herkunftsland zurückbleiben? Antworten auf diese Frage suchte Dr. Elisabeth K. Kraus in ihrem Beitrag am Beispiel senegalesischer Migranten in Europa auf der Basis von Analysen des Projekts „Migrations between Africa and Europe (MAFE)“.
„Die Befunde zeigen einen starken Einfluss der Migrationserfahrung von Paaren auf ihr reproduktives Verhalten“, lautete ihre Diagnose. Dies gelte sowohl für Erstgeburten als auch für weitere Geburten. So hatten senegalesische Paare mit mindestens einem migrierten Partner im Lebensverlauf weniger Kinder als vergleichbare nicht-migrierte Paare. Zu einem guten Teil kann dieser Unterschied sicherlich mit länger andauernden Phasen der räumlichen Trennung der Paare erklärt werden, meinte Dr. Kraus. Eine Rolle spielt dabei allerdings auch das Bildungsniveau: So haben senegalesische Paare mit höherer Bildung signifikant weniger Kinder als weniger Gebildete. „Bei der Suche nach Erklärungen für diese Differenzen bei der Fertilität muss daher das Bildungsniveau mitbeachtet werden“, betonte sie.

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