Kranichrekord an der Ostseeküste

By   /  October 10, 2019  /  Comments Off on Kranichrekord an der Ostseeküste

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Source: NABU – Naturschutzbund DeutschlandNachschub aus Skandinavien und dem Baltikum

An der Boddenküste und im Rhinluch lassen sich aktuell mehr als 120.000 Kraniche beobachten. Während aus dem Norden und Osten beständig weitere Kraniche nachkommen, fllogen mehrere Zehntausend bereits über Hessen und Rheinland-Pfalz weiter Richtung Winterquartiere.

09. Oktober 2019 – Die Synchronzählung am vergangenen Wochenende ergab mit über 86.000 einen neuen Rekord rastender Kraniche an der Darß-Zingster Boddenkette und auf Rügen. Die bisherige Höchstzahl von 72.292 aus dem Jahr 2014 wurde deutlich übertroffen. Allein um die Inseln Werder und Bock bei Stralsund übernachteten fast 42.000 Kraniche.Der außergewöhnliche hohe Rastbestand ist darauf zurückzuführen, dass kurz vor dem Wochenende, aufgrund eines Kälteeinbruchs in Skandinavien und einer günstigen Windsituation, praktisch alle Kraniche in riesigen Zugwellen aus Skandinavien gleichzeitig eingetroffen sind. Einschließlich der Rastplätze in Brandenburg, Thüringen und Niedersachsen halten sich aktuell deutlich über 100.000 Kraniche in Deutschland auf. Davon sind ab dem Wochenende mehrere Zehntausend nach Südwesten weitergeflogen. Nächster großer Zwischenstopp ist am Stausee Lac du Der Chantecoq in der Champagne, gelegen zwischen Reims und Nancy.Die enorme Zahl täuscht allerdings darüber hinweg, dass der Fortpflanzungserfolg in diesem Jahr europaweit so schlecht wie noch nie war. In den Rastgemeinschaften an der Boddenküste liegt der Jungvogelanteil unter fünf Prozent „Wenn sich dieser Trend mit nur so wenigen Nachkommen weiter fortsetzt, wird der Kranichpopulation langfristig wieder abnehmen“, fürchtet Dr. Günter Nowald, der Leiter des NABU-Kranichzentrums Groß Mohrdorf. Die Trockenheit führte dazu, dass die üblicherweise im seichten Wasser gut vor Füchsen und anderen Fressfeinden geschützten Kranichester mit den Eiern und Jungvögeln leicht erreichbar waren.
07. Oktober 2019 – Nachdem am Sonntag wohl vor allem Nachzügler beobachtet wurden, die in Mittelhessen übernachtet hatten, nahm der Kranichzug nach Frankreich am Montag wieder deutlich zu. Mehrere tausend Vögel waren unterwegs. Erneut wurden vor allem Hessen und Rheinland-Pfalz überflogen, mit dem stärksten Verkehr entlang der Linie Wetterau–Taunussüdrand–Mainz. Anders als zuvor bildete sich eine zusätzliche Linie weiter südlich über Darmstadt, Mannheim und Neustadt/Weinstraße aus. Offen bleibt, ob diese Vögel zuvor von der Hauptlinie abgebogen waren oder ob sie den Weg aus Thüringen via Spessart und Untermain nahmen.
05. Oktober 2019 – Pünktlich zum EuroBirdwatch machen sich von den norddeutschen Rastplätzen die ersten Kraniche auf den Weiterflug Richtung Frankreich und Spanien. Über Teilen Nordrhein-Westfalens und Hessens waren bereits am Donnerstag einige hundert Kraniche zu beobachten, am Samstag explodierte das Zuggeschehen geradezu. In der Summe waren laut der Meldungen bei www.nabu-naturgucker.de vor allem auf den Teilrouten quer durch Hessen mehr als 20.000 Kraniche unterwegs. Alleine über dem Marburger Lahntal wurden im Tagesverlauf 125 Trupps mit 19.000 Kranichen gezählt.

Kranichzug am Samstag (5.10.) über Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. – Quelle: www.nabu-naturgucker.de

Und dort wollen die meisten Kraniche hin: Rot eingekreist ist der nächste große Rastplatz, der Stausee Lac du Der Chantecoq in der Champagne. – Quelle: www.nabu-naturgucker.de

Die Synchronzählung am vorigen Wochenende hat die Vorabschätzungen der Expert*innen bestätigt. Aktuell rasten an der Boddenküste 23.600 Kraniche. Während am südschwedischen Hornborga-See knapp weitere 10.000 Kraniche Rast vor dem Weiterflug über die Ostsee machen und sich im Osten an der polnischen Wartemündung 13.000 Kraniche versammeln, sind in Deutschland viele Vögel schon ein Stück weiter gezogen.Im Havel- und Rhinluch bei Linum nordwestlich von Berlin haben sich die Rastzahlen innerhalb nur einer Woche von 13.000 auf 36.140 erhöht. In Niedersachsen wurden in der Diepholzer Moorniederung immerhin bereits 4.000 Kraniche gezählt.Insgesamt halten sich also mindestens 65.000 Kraniche in Deutschland auf, von denen in den letzten Tagen mindestens ein Drittel schon wieder aufgebrochen sind.
26. September 2019 – Expert*innen gehen von inzwischen 20.000 am Osteebodden rastenden Kranichen aus. Genaue Zahlen wird das Wochenende ergeben, da findet erneut eine sogenannte Synchronzählung statt. Aus den anderen deutschen Rastgebieten liegen noch keine Rastzahlen vor.
23. September 2019 – Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die Synchronzählung am 14. September ergab für die Boddenregion bereits mehr als 13.000 rastende Kraniche und ständig kommen neue hinzu. Alleine am Hornborga-See in Schweden warten derzeit knapp 20.000 Kraniche auf den Weiterflug. Auch in Schleswig-Holstein scheinen nun skandinavische Kraniche anzukommen. So wurden am Wochenende von Lübeck bis in den Süden Hamburgs vermehrt Kraniche zu sehen. An der Warthemündung östlich von Küstrin halten sich unweit der deutschen Grenze aktuell rund 10.000 Kraniche auf.
06. September 2019 – An der Boddenküste sind die Rastzahlen inzwischen auf über 4000 Kraniche angestiegen. Auch im gesamten nordöstlichen Binnenland lassen sich vermehrt Kraniche beobachten, im Westen bis in den Raum Hannover. Erste kleine Trupps sind sogar schon via Ruhrgebiet und Rheinland Richtung Frankreich weitergezogen, einige wenige Kraniche auch über die hessische Zugschiene.

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Kraniche im Klimawandel
Schon seit Mitte August große Ansammlungen
02. September 2019 – Die erste Synchronzählung erbrachte Mitte August bereits 2.433 Kraniche an den Schlafplätzen der Region Darß-Zingster Boddenkette und Rügen. Es handelt sich hierbei um die heimische Population, die sich aus Paaren mit und ohne Nachwuchs sowie aus „Nichtbrütern“ zusammensetzt. Auf den Getreidestoppelfeldern finden sie Ernterückstände, die als Nahrung dienen. Auffällig ist aber die vergleichsweise große Zahl in diesem Jahr.„Aufgrund der langanhaltenden Trockenheit sind viele Feuchtgebiete, die als Brutplatz dienten, aber auch Schlafplätze für Gruppen waren, ausgetrocknet. So müssen die Kraniche die Schlafplätze im Bodden anfliegen.“, erläutert Dr. Günter Nowald, Leiter des NABU-Kranichzentrums.

Saisonstart am Kranorama
Die Beobachtungsplattform Kranorama am Günzer See hat seit 1. September und bis voraussichtlich 31. Oktober täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Unter fachkundiger Anleitung von Mitarbeiter*innen des Kranich-Informationszentrums lassen sich hier Kraniche hautnah erleben.Audiovisuelle Medien und eine Live-Übertragung der Kraniche vom Feld auf einen großen Bildschirm machen das Kranorama zu einem modernen Aussichtspunkt. Selbst der Weg vom Parkplatz zum Kranorama ist ein Erlebnis, denn hier befinden viele spannende Informationstafel und Sitzmöglichkeiten. Am Ziel angekommen hat der Besucher einen Ausblick auf die Günzer Seewiesen. Kranorama und das Kranich-Informationszentrum Groß Mohrdorf liegen nur wenige Kilometer auseinander. Auch dort lohnt sich ein Besuch. Das Zentrum hat im September und Oktober täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

„Von trockengefallenen Feuchtgebieten, die in den letzten Jahren als Schlafplatz dienten, berichteten mir auch zahlreiche Kolleg*innen aus anderen Regionen. Damit wird deutlich, wie viel Wasser in der Landschaft fehlt.“ Welchen Einfluss der Wassermangel auf die Reproduktion der Kraniche aus Deutschland und Skandinavien hat, wird während der Herbstrast durch Erfassung des Jungtieranteils untersucht werden.Ende August sind auch die ersten Kraniche aus Skandinavien am Bodden angekommen. Mehrere Kranichtrupps schwebten aus großer Höhe ein. Wahrscheinlich nutzten sie die günstigen Witterungsbedingungen für den Flug über die Ostsee.Die Mitarbeiter*innen des Kranichzentrums werden sich am 20. September am Globalen Klimastreik beteiligen. Die Ausstellung des Zentrums bleibt an diesem Tag geschlossen.

Die Kraniche fliegen wieder nach Norden
Wer zuerst kommt, hat freie Brutplatzwahl
21. Februar 2019 – Wie vorhergesagt, nutzen immer mehr die Kraniche das günstige Flugwetter für die Rückkehr in die Brutgebiete. Am Wochenende war der Himmel auf sämtlichen Haupt-Zugkorridoren dicht gefüllt, wobei am stärksten Nordrhein-Westfalen beflogen wurde. Den Beobachtungsmeldungen im NABU-Naturgucker nach zu urteilen waren mehrere Zehntausend unterwegs. Bis Dienstag hielt der starke Zuflug an, danach ist die Zahl der beobachteten Kraniche etwas abgeebbt.

Kranich – Foto: Frank Derer

Anders als beim Herbstzug haben es die Kraniche nun sehr eilig. Gerastet wird immer nur kurz, so dass sich an den aus dem Herbst bekannten Rastplätzen zu keinen allzu großen Ansammlungen kommt. Im Havelluch und an der Boddenküste finden daher nun auch keine der sehr aufwändigen Synchronzählungen statt.
15. Februar 2019 – Gemessen an der Entwicklung der Rastzahlen am Stausee Lac du Der in der Champagne sind in den letzten beiden Wochen schon mindestens 15.000 Kraniche zurückgekehrt und haben Deutschland überflogen. Das ruhige Hochdruckwetter verspricht in den kommenden Tagen weiter gute Flugbedingungen auf dem Weg in die Brutgebiete.Bereits am Mittwoch kam aus Frankreich weiterer Nachschub über die Nordroute via Eifel, Kölner Bucht und Ruhrgebiet. Am Donnerstag folgte ein Einflug sowohl über das Saarland Richtung Mainz und Frankfurt wie auch über die Eifel in den Köln-Bonner Raum. Am Freitag verstärkte sich dieser, wobei der Schwerpunkt klar über Nordrhein-Westfalen lag, die Hessenroute wurde in geringerem Maße beflogen. Gehäufte Beobachtungen gab es zudem in den Großräumen Lüneburger Heide/Hamburg und Berlin.
12. Februar 2019 – Kräftiger Südwestwind sorgte am Samstag für starken Kranichzug von Frankreich nach Deutschland. Bei uns beflogen die Kraniche dabei vor allem die Route entlang des Lahntals quer durch Hessen. Danache drehte der Wind aber für einige Zeit auf Nord bis Nordwest, für die Kraniche kam der Wind nun also von vorne.Trotzdem flogen – nach einer Pause am Sonntag – am Montag weitere Trupps von Frankreich kommend über Rheinland-Pfalz und das Saarland Richtung Hessen. Dass viele Kraniche vergleichsweise weit im Süden einflogen, könnte auf ein Verdriften durch den teils kräftigen Nordwind zurückzuführen sein. Die Meldungen zeigen, dass eine ganze Reihe Kraniche im Raum Frankfurt und Wetterau zunächst zwischenlandeten, um am Dienstag weiterzufliegen.
06. Februar 2019 – Noch ist es früh im Jahr, der kalendarische Winter macht gerade einmal Halbzeit. Doch letztes Jahr um diese Zeit waren schon Tausende Kraniche auf dem Rückweg, die aktuellen Flugbewegungen sind also nicht ungewöhnlich. Kraniche gehören zu den Frühziehern, da sie relativ kälteunempfindlich sind. Dabei ist die Rückkehr aus dem Winterquartier immer auch ein Wettlauf um das Besetzen der besten Brutreviere. Sollte es später zu einem stärkeren Wintereinbruch kommen, könnten die Kraniche zudem in wenigen Tagen in wärmere Gefilde ausweichen.

Zug Richtung Nordost: Kranichmeldungen Anfang Februar – Quelle: www.nabu-naturgucker.de

Der übergroße Teil der Kraniche ist aber zweifellos noch in den Winterquartieren. So halten sich in der spanischen Extremadura über 130.000 überwinternde Kraniche auf, an der Laguna de Gallocanta bei Saragossa sind es gut 45.000, in Südfrankreich 37.000.Am Stausee Lac du Der Chantecoq in der Champagne haben sich derzeit 21.670 Kraniche versammelt und damit deutlich mehr als noch vor zwei Wochen. Zwar könnten das auch Vögel sein, die bislang in Deutschland geblieben waren, und nun bei Frost nach Westen auswichen. Allerdings fegte zuletzt Orkantief Oskar von der Atlantikküste kommend über Frankreich, das spräche eher für eine Winterflucht von West nach Ost – oder eben für erste reguläre Rückkehrer aus dem Süden, die in der Champagne eine kurze Pause einlegen.

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