Daimler-Hauptversammlung: Verbrauch und CO2-Werte steigen wegen falscher Modellpolitik weiter – Nachfrage nach Elektroautos kann nicht gedeckt werden

By   /  July 8, 2020  /  Comments Off on Daimler-Hauptversammlung: Verbrauch und CO2-Werte steigen wegen falscher Modellpolitik weiter – Nachfrage nach Elektroautos kann nicht gedeckt werden

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Source: Bund fur Umwelt und Naturschutz DeutschlandStuttgart/Berlin. Daimler sorgt mit seinen Pkw weiter für zu hohe Klimagasemissionen. Bereits das zweite Jahr in Folge steigen die durchschnittlichen CO2-Werte bei den in Europa verkauften neuen Pkw des deutschen Automobil-Herstellers wieder an, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) anlässlich der heute virtuell stattfindenden Hauptversammlung des Konzerns. “In puncto Ausrichtung des Produktportfolios liegt bei Daimler weiter einiges im Argen. Klimaschutz steht im Konzern offenbar noch immer hinter Gewinnmaximierung zurück”, so Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND.
Der Wert der CO2-Flottenemissionen bei in Europa neu zugelassenen Daimler-Pkw ist nicht wie angestrebt gesunken, sondern mit 137 g/km CO2 im Vergleich zu 2018 (132 g) und 2017 (125 g) angestiegen. “Hier macht sich wieder einmal die Konzentration auf immer größere, schwerere und leistungsstärkere Modelle bemerkbar”, so Hilgenberg. “Um Strafzahlungen an die EU zu vermeiden, muss der Flottenwert für Daimler 2021 bei etwas über 100 g/km CO2 liegen. Daimler steuert in die falsche Richtung und hat eigentlich keine Zeit mehr, dies zu korrigieren.”
Der Ausstieg aus der Produktion der Mercedes X-Klasse, der nach nur zwei Produktionsjahren richtigerweise vollzogen wurde, zeigt die strategischen Fehler an der Konzernspitze deutlich auf. Planungsfehler werden aber auch bei der mit lediglich fünf Fahrzeugen ohnehin schon sehr kleinen rein elektrischen Pkw-Flotte erkennbar. Schon kurz nach Bekanntgabe der im Konjunkturpaket zur Coronakrise der Bundesregierung festgeschriebenen Erhöhung der Kaufbeihilfen für Elektrofahrzeuge bestätigte die Daimler AG einen Bestellstopp für die Smart EQ-Modelle.
Hilgenberg: “Es ist sehr schade, dass die Daimler AG nicht willens oder in der Lage zu sein scheint, die erhöhte Nachfrage nach dem kleinen, leichten Smart EQ bedienen zu können. Ob es nun an einem Verkaufsunwillen oder unzureichenden Zulieferverträgen liegt, die keine höheren Stückzahlen zulassen, ist dabei eigentlich zweitrangig. Reine E-Autos sind im Konzern noch immer Mangelware und spielen nach wie vor nur eine Nebenrolle.”
Statt mit reinen Elektrofahrzeugen plant Daimler, wie andere Autokonzerne auch, die gesetzlichen Regelungen zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen in erster Linie mir Plug-in-Hybriden zu erfüllen. Es handelt sich dabei um Fahrzeuge, die mit unrealistisch niedrigen und meist nur in der Theorie zu erreichenden Kraftstoffverbräuchen und damit CO2-Werten in die Berechnungen der Konzerne eingehen. Paradebeispiel dafür ist der Mercedes GLE 350 de, der trotz 2,65 Tonnen Leergewicht und einer Systemleistung von 320 PS laut Herstellerangaben lediglich 1,1 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbraucht. Der offizielle CO2-Ausstoß beträgt damit 28 g/km. Die Zeitschrift “AutoBild” kommt bei einem eigenen Test unter realistischen Bedingungen jedoch auf einen Verbrauch von 8,3 Litern/100km, was einem CO2-Wert von 221 g/km entspricht.
Hilgenberg: “Dieser große SUV macht deutlich, dass es der Daimler AG bei den Plug-in-Hybriden nicht darum geht, tatsächlich sparsamere Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Es geht in erster Linie darum, mit solchen Fahrzeugen die offiziellen Verbrauchsstatistiken zu schönen. Der Konzernvorstand sollte tunlichst vermeiden, sich Fahrzeuge ‘grüner’ zu rechnen als sie es in der Realität sind. Je nach Fahrprofil der Nutzenden liegt der tatsächliche Verbrauch der Plug-in-Fahrzeuge bei einem Mehrfachen des offiziellen Normverbrauchs. Das muss den Kundinnen und Kunden von Daimler klar gesagt werden, sonst droht ein massiver Imageverlust für den Konzern.”
Mehr Informationen
Kontakt: Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik BUND, Mobil: 01 51 / 56 31 33 02, jens.hilgenberg(at)bund.net sowie BUND-Pressestelle (Sigrid Wolff / Daniel Jahn / Judith Freund / Heye Jensen), Tel.: (030) 2 75 86-425/-531/-497/-464, presse(at)bund.net
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