Eine Jubiläumswelle rauscht auf uns zu …

By   /  October 21, 2020  /  Comments Off on Eine Jubiläumswelle rauscht auf uns zu …

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Source: DOSBNach den Kriegsjahren entstand in Deutschland wieder sportliches Leben und diese Sportorganisationen feiern in nächster Zeit ihre 75. Jubiläen, stellt Autor Detlef Kuhlmann fest.

Jetzt mal für einen Moment die ganzen Corona-Kalamitäten gedanklich ins Abseits stellen – denn: In den nächsten Monaten und Jahren rauscht eine Jubiläumswelle auf uns zu. Ob sie tatsächlich auch mit rauschenden Feierlichkeiten ankommt? Abwarten und Vorsicht, denn da meldet sich schon wieder Corona aus dem Abseits zurück … Worum geht es bei dieser per se „positiv bedrohlichen“ Jubiläumswelle? Blenden wir kurz bis in die Nachkriegsjahre zurück: „In den Trümmern, die Krieg und Diktatur hinterlassen hatten, entstand – zunächst bescheiden – sehr bald wieder turnerisches und sportliches Leben“. So steht es an einer Stelle in der zweibändigen Chronik mit dem Titel „Wege aus der Not zur Einheit“ über die Gründerjahre des Deutschen Sportbundes anlässlich des 40. Geburtstages im Jahre 1990. In den Jahren nach 1945 kam es so auch zur (Wieder-) Gründung von Vereinen und Verbänden zuerst auf lokaler und regionaler, später auch auf Bundesebene.
Sportorganisationen aus der damaligen französischen, englischen und amerikanischen Besatzungszone – also der alten Bundesrepublik – werden demnach in allernächster Zeit 75 Jahre alt oder sind es just schon geworden, wie z.B. der am 14. Oktober 1945 gegründete Kreissportbund Vechta in Niedersachsen. Manchmal hat es auch ein bisschen länger gedauert: „Ganze 12.000 Sportler waren anno 1946 Mitglied in einem der 280 bestehenden Sportvereine. Doch während in Württemberg der WLSB und in Nordbaden der BSB Nord längst gegründet waren, gaben sich die französischen Besatzer in Südbaden lange sehr zugeknöpft, bis sie anno 1949 dann doch die Einwilligung zur Gründung eines Sportbundes gaben“, das ist z.B. auf der Homepage des Badischen Sportbundes Süd in Freiburg zu lesen, der damals von Dr. Fredy Stober (1910-2010) als Vorsitzendem gegründet wurde. Die Reihe mit Beispielen von Gründungsdaten der Bünde vor Ort und der Verbände auf Landesebene ließe sich chronologisch leicht fortsetzen – sei es mit dem Stadtsportbund Düsseldorf (19.1.1946), sei es mit dem (heutigen) Hessischen Fußball-Verband, der am Gründungstag (30.3.1946) noch „Landesfachverband Hessen, Fachausschuss Fußball“ hieß, sei es mit dem Bayerischen Handball-Verband, der auf seiner Homepage zwar kein genaues Datum, aber 1946 als Gründungsjahr angibt oder sei es mit dem Landessportverband Schleswig-Holstein (25.1.1947) etc. etc.
Ob und ggf. wie sie alle landauf landab demnächst ihr Jubiläum begehen, steht hier nicht zur Debatte. Daher nur so viel: Ein Jubiläum könnte ein kalendarischer Anlass sein, sich seiner Identität als Sportorganisation neu zu vergewissern – mit welchen attraktiven Beiträgen das dann auch immer geschieht und mit welchem einladenden Motto der Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft gespannt wird – Moment, da sind wir schon wieder bei Corona, denn wie lautet doch aktuell der richtungsweisende Aufruf der Konferenz der Landessportbünde und des Deutschen Olympischen Sportbundes fast schon passend für jedes Jubiläum: „Zukunft des Vereinssports sichern und weiterentwickeln“. Das ist eine anspruchsvolle Daueraufgabe und betrifft im Grunde alle Sportorganisationen auch ohne Jubiläumshintergrund – aber: Mit einem Jubiläum ließe sich alles feierlich veredeln … sofern Corona erstmal ins Abseits gedrängt wird!
(Autor: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

MIL OSI

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